M wie Motive

Warum lesen Sie gerade in diesen Text? Neugierde?

Oder gibt es einen anderen Grund. Müssig darüber zu diskutieren, denn eines ist klar: Ihrer Handlung liegt ein Motiv zugrunde.

 

Das führt uns zu einer weiteren, für unser gesamtes Kommunikations­verhal­ten entscheidenden Frage: Wann bewegen wir uns überhaupt? Oder etwas präziser: Wann sind wir bereit, uns zu bewegen? Und wann sind wir bereit, für Bewegung Energie aufzuwenden? Dabei geht es nicht nur um unsere physische Bewegung im Sinne einer Fortbewegung von A nach B, sondern auch um psychische Bewegung, zum Beispiel in Form von Entscheidungen.

 

Jeder Mensch sagt, schreibt oder tut etwas immer nur dann, wenn ein Motiv vorliegt. Ohne entsprechendes Motiv bewegen wir uns nicht. Warum sollten wir also Energie für etwas aufwenden, das uns nicht interessiert; dem wir keine Beachtung schenken? Für etwas, das wir nicht wollen? Eben! Ausser: wir haben keine andere Wahl, also weil wir müssen. 

Es gibt natürlich auch Gründe, die uns in Bewegung versetzen, auch wenn wir das eigentlich gar nicht wollen. Eben genau für all jene Dinge, die wir tun müssen.

     Es sind also tatsächlich nur zwei Gründe, aus denen wir uns bewegen: wir wollen oder wir müssen. Der philosophische Ansatz, der davon ausgeht, dass wir dennoch alles in letzter Instant irgendwie selber entscheiden, also auch Dinge, die wir müssen, ist nicht von der Hand zu weisen. Wir können immer darauf verzichten, etwas zu tun, das von uns verlangt wird. Solange wir mit den Konsequenzen zurechtkommen, mag das wohl sein. Klar können wir gewisse Grundbedürfnisse unterdrücken, aber diese Folgen hier zu diskutieren, ist nicht meine Absicht.

    

Es liegt auf der Hand, dass die Bewegung, die durch die Gründe aus­gelöst werden, die wir selber bestimmen, als wesentlich angenehmer empfunden wird, als jene Bewegung, zu der wir gezwungen sind. Solche positiven Gründe sind zum Beispiel Freizeit, Vergnügen, Beruf, Sport, Unterhaltung und vieles mehr.

Solange wir ein Motiv als positiv empfinden, wirkt es auf uns wie ein Sog. Es zieht uns an, macht uns neugierig, lädt uns ein. Wirkt ein Motiv jedoch wie ein Muss, so wollen wir davon in der Regel nichts wissen, wir wenden uns davon ab – es entsteht ein Druck.

    Dieses Gefühl kennen wir nur allzu gut. Wenn nämlich jemand versucht, uns etwas anzudrehen, das wir nicht wollen, und auch nach unserem dritten NEIN immer noch weiter Druck macht. Wie wesentlich angenehmer wäre es also, wenn jemand nicht Druck ausüben, sondern sich tatsächlich für unsere Motive interessieren würde! Er bräuchte einfach nur danach zu fragen.

 

Wenden wir uns also noch etwas den positiven Motiven zu.

Den Grund, der uns zu einer Bewegung veranlasst, nennt man sinnigerweise auch Beweggrund. Verwendet wird auch der Begriff des Bedürfnisses. All diese Begriffe lassen sich heute sehr genau definieren und beschreiben. Und auch wenn sie sich in ihrer Struktur, Wirkungsweise und Sichtbarkeit gewiss unterscheiden, weisen sie im Grunde alle auf das gleiche Ziel hin: Auf das, was uns bewegt, was uns antreibt.

In dem Moment, in dem wir uns durch ein Motiv leiten lassen und ihm nachgehen, entsteht ein Nutzen [>N wie Nutzen]. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Motiv aus unseren Gedanken entstanden ist, oder ob jemand uns ein Motiv von aussen angeboten hat. Bevor wir also dieses Motiv berücksichtigen, werden wir uns so oder so immer – teils bewusst, teils unbewusst – fragen, was es denn wohl bringen mag, diesem Bedürfnis nachzugehen. Wir wollen also immer schon im Voraus wissen, wie gross dieser Nutzen für uns sein wird. Dabei reicht auch bereits der Glaube daran, die innere Überzeugung, dass es sich lohnt, um dem Drang, Wunsch, Bedürfnis oder eben dem Motiv nachzugeben.

 

 

Zwischen all diesen Motiven unterscheidet die Wissenschaft fünf so­ge­nann­te Kernmotive. Wie bei allen anderen Motiven entstehen auch durch die Be­frie­­di­gung dieser Motive Nutzen:

 

Kernmotiv          Nutzen

Komfort             Einfach, bequem, praktisch, wenig Aufwand, entlastend, unkompliziert, kein Stress, schnell u.a.m.

 

Freude                Sich vergnügen, geniessen, sich etwas gönnen, sich über­raschen, unterhalten, verwöhnen lassen u.a.m.

 

Ansehen             Anerkennung, Geltung, Respekt erfahren, sich stark, erhaben, mächtig, dominant fühlen, gewinnen, siegen,

                           sich bestätigt, geehrt, respektiert fühlen u.a.m.

 

Sicherheit          Sicher sein, Klarheit haben, kein Risiko eingehen, umsorgt und behütet werden, Stabilität erfahren u.a.m.

 

Gewinn              Geld und Zeit sparen Vorteile erhalten, effizient sein, Gelegenheiten nutzen u.a.m.

 

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