N wie Nutzen

Sie kommen gerade von [>M wie Motive]? Sehr gut. Wenn nicht, schlage ich Ihnen vor, diesen Text vorab zu lesen.

 

Jeder Bewegung, die der Mensch physisch und psychisch ausführt, liegt ein Motiv, ein Bedürfnis zugrunde, weshalb hier auch der Begriff „Beweg­grund“ verwendet werden kann. Doch nur, weil ein Motiv vorhanden ist, nur, weil wir etwas wollen, bedeutet das noch nicht, dass wir uns automatisch bewegen. Jedes Mal, wenn wir etwas zu tun beabsich­tigen, fragen wir uns, welchen Vorteil wir daraus gewinnen können. Und diese Frage lautet konkret: „Was habe ich davon?“. Diese Frage wiederum verfolgt nur ein einziges Ziel: Den potenziellen Nutzen sichtbar zu machen. Wir brauchen immer einen erkennbaren Nutzen. Ansonsten bewegen wir uns nicht. Natürlich stellen wir uns diese Frage meist nicht laut, auch nicht leise – wir stellen sie unbewusst.

 

Alles was wir tun, tun wir nur,

wenn wir einen Nutzen darin erkennen.

 

Lassen Sie diesen Satz ruhig etwas auf sich wirken. Denn er hat es wahrlich in sich. Tatsächlich unternehmen wir nichts, bewegen uns keinen Milli­meter, wenn wir darin keinen Nutzen erkennen. Kein Nutzen – keine Bewegung, so einfach ist das. Vielleicht werden Sie jetzt einwenden, dass wir alle doch auch Dinge tun, die uns keinen sichtbaren Nutzen bringen. So engagieren wir uns für andere, helfen andern und vieles mehr. So wertvoll diese Tätigkeiten auch sind, so verdienstvoll und wichtig – so sind sie doch alle nutzenorientiert. Wir helfen, weil uns das ein gutes Gefühl vermittelt. Wie unterstützen jemanden, besuchen jemanden, weil es uns ein Bedürfnis ist, ihm zu zeigen, dass wir für ihn da sind. Indem wir diesem Bedürfnis nachgehen entsteht für uns der Nutzen, zu wissen, dass wir empathisch, zuvorkommend, hilfsbereit und vieles mehr sind. Und das vermittelt uns ein gutes Gefühl.

 

Dieses gute Gefühl ist in diesem Moment nichts anderes, als der Nutzen, den wir aus dieser Tätigkeit gewinnen. Und das meine ich in keiner Weise negativ oder despektierlich. Der Mensch funktioniert in seinem Tun nach dem Nutzen-Prinzip. Dabei folgt auch er, wie alle Organismen, den drei Hauptinstruktionen der Natur.

 

Bei jeder Diskussion und vor jeder noch so unscheinbaren Entscheidung läuft also in unserem Unterbewusstsein die Frage ab, ob das, was wir hören, das was jemand tut sowie das, was wir selber zu tun gedenken, uns einen Nutzen bringt. Entsprechend werden wir uns aus­drücken. Vielleicht ruft Sie heute noch ein Freund oder eine Freundin an und fragt, ob Sie Lust hätten, mit ihm/ihr etwas Trinken zu gehen. Wenn Sie nun nicht spontan zusagen, vielleicht noch etwas zögern, dann sind Sie bereits mitten in Ihrer unbewussten Nutzen-Analyse: Warum soll ich mich mit ihm/ihr treffen? Was bringt mir das Treffen? Welche Energie muss ich aufwenden? Kurz: Was habe ich davon? 

Dieses Verhalten ist in keiner Weise verwerflich oder gar negativ zu bewerten. Es ist ganz normal. Alles was wir entscheiden, kaufen, erledigen, planen und tun, machen wir nur, wenn wir einen Nutzen erkennen. Dabei reicht es, wenn wir den Nutzen auch nur erahnen oder erhoffen. So kaufen wir ein Produkt in der Hoffnung, dass wir damit zufrieden sind. Unser Motiv ist zum Beispiel Lust auf ein feines Getränk. Der Nutzen ist dann gegeben, wenn wir das Getränk mögen.

Aus einem Motiv wird immer ein Nutzen erhofft und abgeleitet. Oder anders ausgedrückt:

 

Es entsteht immer dann ein Nutzen,

wenn ein Motiv erfüllt wird.